Geschichten

Schauergeschichte (Übersetzung durch Rosmarie De Ambrosis)

Am 24. Oktober 1690 ist in der Matte (Wiese) des Land-Richters Jakob Isler ein totes Kind gefunden worden, das ungefähr ¾ Jahr alt war. Dessen Leib war von unten her bis zum Nabel angefressen, so dass man nicht erkennen konnte, ob es ein Knabe oder ein Mädchen gewesen war. Die Überreste, die Nase, der Unterkiefer und der rechte Arm waren abgefressen, wurden hinter der Kirche begraben.

Beinahe ein halbes Jahr später wurde offenbar, dass dies das Kind von Heinrich Staub, genannt Laubegger, war. Er hatte es im Ehebruch mit Verena Strickler, genannt Erbsen-Vreneli, gezeugt.

Der genannte Staub hat mit Hilfe seines Schwagers Heinrich Widmer, genannt Röllin, die Kindesmutter im Zürichsee – nicht weit von der Bächau – ertränkt. Nachdem sie ertränkt worden war, haben sie der Leiche Steine in die Kleider gebunden, damit sie nicht umherschwimme.

Das Kind war ein Büblein mit dem Namen Jakob Adam, welches zuvor im Zugergebiet getauft worden war. Staub hatte es im Wybet- oder Hüttner-Seeli ertränkt, wo die Windeln und Binden gefunden wurden. Es ist jedoch unbekannt, wie dieses Kind in die Wiese von Landrichter Isler gekommen war.

Heinrich Staub hat diese Tat bekannt und ist in Zürich am 4. April 1691 enthauptet worden. Danach wurde sein Körper auf ein Rad geflochten, der Kopf auf einen Pfahl gesteckt, dann unter den Galgen geführt, wo er drei Tage lag und dann dort begraben wurde.

Sein Schwager Heinrich Widmer, war weggereist (geflohen). Er wurde im Schwyzer Gebiet ertappt und nach Schwyz geführt, wo er etliche Wochen gefangen gehalten wurde. Schlussendlich wurde er unseren Gnädigen Herren ausgeliefert, am 4. März 1691 auf jämmerliche Weise enthauptet und auch unter dem Galgen begraben.

 

Transkription der Schauergeschichte durch Linus Hüsser

Den 24. Weinmonat 1690 ist in Jacob Isler des Landt-Richters
Madten ein todtes Kind gefunden worden, a(l)t ¾ Jahr, dessen
Leib ist von unden herauf biss an den Nabel gefrässen gseyn (gsyn? = gewesen),
so dass man nit erkennen konnte, ob es ein Knäblin oder ein Maidtlin
gseyn seye. Nebent dem war auch abgefrässen gseyn die Nasen,
dass Undermaul sampt dem rechten Arm und ist begraben worden
hinder die Kirchen. Vast ein ½ Jahr darnach wurde offenbahr,
dass dises Kind gewesen seye Heinrichen Stauben, genant
Laubegger, welches er im Ehebruch gezeuget bei Vrena Strickler,
genant Erbsen Vreneli. Die Muter hat gedachten Staub sampt
Beihilff seines Schwagers Heinrich Widmer, genant Rölli, er-
tränkt im Zürichsee, nit weit von der Bächauw(?), und damit sie
nit umher schwimme, habend sie ihro Stein in die Kleider gebunden,
nachdem sie ertrinkt gseyn war, und versänkt. Dass Kind,
so ein Büblin gewesen nammens Jacob Adam, welches zuvor (im)
Zugergebieths getaufft worden, hat der Staub ertränkt in
dem Wybet- oder Hüttner Seeli, allwo die Windlen und Binden
danach gefunden worden, gleichwol aber ist unbekant, wie
dises Kind in dess Landt-R(ichter) Islers Madten hinauf kommen.
Gedachter Staub hat dise That entlich bekennt und ist zu Zürich
dem 4. Ap(ril) 1691 erstlich endhauptet, darnach der Cörper auf
ein Rad geflochten und der Kopf auf einen Pfal gesteckt, nach-
gehends under den Galgen geführt, 3 Tag darauf gelegen und
entlich daselbst begraben worden. Sein Schwager Heinrich
Widmer, genandt Röllin, war aussgetredten und in dem Schweitzer-
gebieth ertapt und gen Schweiz geführt worden, allwo er
etlich Wochen gefangen gelegen. Entlich ist er unserer Gn(ädigen) Herren
geliferet und dem 4. März 1691 jämmerlicher Weis enthauptet
und auch under dem Galgen begraben worden.

Die Transkription ist der heutigen Interpunktion angepasst, ebenso die Gross- und Kleinschreibung

 

Mikrofilmkopie aus dem Staatsarchiv Zürich
StAZH E III 95 - 01.11.1690