Heraldik

Was ist ein Wappen

Wappen sind farbige, unveränderliche Bildkennzeichen eines Geschlechtes; sie werden nach bestimmten Regeln mit mittelalterlichen Waffen dargestellt. Das Führen von Wappen stammt auch aus der Zeit des Mittelalters.

Damals gab der Eisenpanzer dem Ritter zwar Schutz, machte es jedoch unmöglich, den Freund vom Feind zu unterscheiden. Darum malte der Ritter ein persönliches Abzeichen auf seinen Schild und seinen Helm, ein Abzeichen, das auf etwa 200 Schritt erkennbar sein musste. Auf diese Weise entstand in Nordfrankreich und Flandern im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts, kurz nach dem ersten Kreuzzug, die Heraldik. Ausserordentlich schnell kam die Heraldik in ganz Westeuropa in die Mode. Die Schildbilder wurden schon um 1200 erblich und änderten damit ihre Bedeutung als Kennzeichen einer Einzelperson zum Kennzeichen eines ganzen Geschlechtes.

Die Adligen verwendeten ihr Wappen nach der Mode der Zeit als Siegelbild. Darin folgten ihnen bald auch Geistliche und adlige Bürger nach. Bis zum 15. Jahrhundert verbreitete sich das Wappenwesen in allen Ständen. Schon bald wurden Wappen auch als Zierde verwendet.

Wenn auch Wappen ihren Ursprung beim Adel haben und die Wappenteile deutlich daran erinnern, so ist das Wappenwesen seit Jahrhunderten in Stadt und Land verbreitet.

Im privaten Bereich sind Wappen seltener anzutreffen. Man findet aber noch Familienwappen auf Grabsteinen, auf Wappenscheiben, auf Siegelringen oder auf Briefbogen.

 

Richtlinien der Schweizerischen Heraldik

Es gibt zwar kein eigentliches Wappengesetz, in der Schweiz werden die Gepflogenheiten der Heraldik allerdings nach bestimmten Grundsätzen gehandhabt. Diese Grundsätze wurden 1946 wie folgt festgehalten:

  1. Jedermann hat das Recht, ein Wappen anzunehmen, zu führen und im Mannstamm zu vererben.
  2. Wappen annehmen und führen können auch Vereinigungen, Institute, Stiftungen und andere juristische Personen.
  3. Das Wappen wird mit der Geburt durch eheliche Abstammung erworben von einem Vater, der zu einem bestimmten Wappen berechtigt ist. Der Nachweis der Abstammung in männlicher Linie von einem Wappenträger berechtigt zum Führen des betreffenden Wappens.
  4. Die Annahme des Wappens eines erloschenen oder eines blühenden Geschlechtes ist untersagt.
  5. Frauen erheiraten das Wappen ihres Mannes. Sie dürfen gleichzeitig auch das Wappen ihres Vaters weiterführen.
  6. Adoptierte Kinder können mit Zustimmung der ganzen Familie das Wappen der Adoptiveltern annehmen.
  7. Uneheliche Kinder haben kein Recht am Wappen ihres Vaters, sondern nur an demjenigen der Mutter.
  8. Ein neues Wappen kann frei angenommen werden, sowohl von einer Einzelperson, einer Familie, einem Geschlecht, einer Körperschaft, einer Verwaltungseinheit usw. Der Urheber eines neuen Wappens bestimmt den Kreis der Berechtigten.
  9. Ein Wappen kann auch von einer Körperschaft (z.B. einer Zunft) verliehen werden.
  10. Ein Wappen ist Besitz eines Gesamtgeschlechtes und nicht einer Einzelperson. Die Wappeninhaber dürfen das Wappen als Ganzes oder Teile desselben verkaufen, vererben oder ein Mitbenutzungsrecht einräumen.
  11. Jedes Geschlechtsmitglied ist gleichmässig am Geschlechtswappen berechtigt und hat ein volles Einspruchsrecht.
  12. Jeder Berechtigte kann den Gebrauch seines Wappens durch Dritte untersagen.
  13. Wappenänderungen bedürfen der Zustimmung aller Berechtigten.
  14. Wappen von Ländern, Kantonen, Städten und Gemeinden dürfen nur von diesen selber verwendet werden. Der Gebrauch darüber hinaus erfordert behördliche Genehmigung.
  15. Bei Wappen von Körperschaften (z.B. Zünften) steht den Mitgliedern das Recht des Gebrauchs zu.

Quelle: Schweizerische Heraldische Gesellschaft